GEORGE CYPRIANO BÜHLER: "KAMPF DEN PIRATEN"

Immer wieder hört man von Piratenüberfällen vorm Horn von Afrika. So manches Schiff wurde bereits von den gefürchteten somalischen Seeräubern gekapert und erst gegen hohe Lösegeldzahlungen wieder freigelassen. Der Einsatz internationaler Marinestreitkräfte der Aktion "Atalanta" hat zwar einiges bewirkt, weitgehend verschwiegen werden dagegen die weiterhin unverzichtbaren Einsätze privater Security Teams.

Um so aufschlussreicher ist der Eigenbericht von George Cypriano Bühler, der 2009 als sogenannter Contractor oder Operator - den Begriff Söldner lehnt er aus verständlichen Gründen ab - in das lebensgefährliche Sicherheitsgeschäft einstieg. "Kampf den Piraten. Mein Einsatz unter fremder Flagge" hat er ihn betitelt. Zunächst beschreibt der 1977 geborene Cuxhavener seinen Werdegang, der nach dem Abitur mit vier Jahren als Marineinfanterist bei der Bundeswehr begann.

Als danach Pläne als Surflehrer unbefriedigend verliefen, bewarb er sich als Operator. Ein wenig lockte natürlich das Abenteuerliche des Jobs, vor allem aber gibt es zwischen 2000 und 3000 Euro pro Woche zu verdienen. Allerdings zeigte sich schnell, dass dieser Job wahrlich kein Zuckerschlecken ist, wie er gleich beim ersten Einsatz erlebte. Nicht nur, dass sich der Massengutfrachter mit Ziel Oman als vergammelte Rostlaube herausstellte, der ägyptische Zoll unterschlug auch noch die Waffenausrüstung des Security Teams.

Während die Contractors im allgemeinen bestens ausgerüstet seind, mussten sie sich diesmal auf riskanten illegalen Umwegen Waffen und Munition nachkaufen. Ohnehin bedarf es immer wieder Tricks, um die unerlässliche Ausrüstung an Bord zu bekommen und die fernab arbeitenden Sicherheitsunternehmen sind nicht immer sonderlich angenehme oder gar hilfreiche Arbeitgeber, Als Erschwernis kommen die teils aberwitzigen Verhältnisse an Bord der Schutzbefohlenen hinzu, sei es durch schräge Crew-Mitglieder, sei es durch himmelschreiende hygienische Verhältnisse und grausige Verpflegung.

Und schließlich die heißen Begegnungen mit Piraten in ihren heranpreschenden Skiffs, den kleinen schnellen Booten. War schon der äußerst schwerfällige erste Pott Bühlers eine typische Lieblingsbeute für die Angreifer, die nur unter heftigem Waffeneinsatz abgewehrt werden konnten, folgten manche unliebsame Überraschungen.

Da griffen zwei Skiffs selbst bei eigentlich unmöglichem Seegang an und feuerten wie wild mit ihren Kalaschnikows. Als dann auch noch ein Pirat mit einer Panzerfaust, der gefürchteten russischen RPG-7, auf das Schiff zielt, kann sich der Operator auf die "Rules of Engagement" berufen und den absoluten Notfall "in geeigneter Weise unschädlich" machen.

Bühler stellt jedoch klar, dass in der Regel keine Waffennarren in den Operator-Teams zum Einsatz kommen. wenngleich er auch den ein oder anderen seltsamen Typen erlebt hat - eine zuweilen gefährliche Herausforderung für einen Teamleader in den ohnehin zusammengewürfelten Trupps. Im konkreten Einsatz ist Professionalität gefordert und der Autor wurde schnell zum Teamleader und wirkt inzwischen für ein deutsches Unternehmen als Einsatzleiter für maritime Sicherheit.

Ebenso locker wie seriös gibt er spannende Einblicke in ein Gewerbe in einer rechtlichen Grauzone, die allerhand politische Brisanz birgt. Immerhin dürften Sicherheitskräften wie den hier so überaus packend bei ihrem Tun geschilderten ein erheblicher Anteil daran zukommen, dass sich die Zahlen der Piratenerfolge verringert haben. Wie unverzichtbar sie offensichtlich auch weiterhin sind, zeigt die Statistik des Internationalen Schifffahrtsbüros, die für 2012 von 297 Übergriffen berichtet, bei denen 28 Schiffe mit 585 Menschen als Geiseln gekapert und sechs Besatzungsmitglieder getötet wurden. Bühlers schnörkelloser Eigenbericht ist schon deshalb verdienstvoll, weil er vielleicht ein wenig gegen das "freundliche Desinteresse" der Öffentlichkeit an dem Thema hilft.

# Beorge Cypriano Bühler: Kampf den Piraten. Mein Einsatz unter fremder Flagge; 281 Seiten, div. Abb, Klappenbroschur; Econ Verlag, Berlin;

€ 18

WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)

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