HANS RATH: „MAN TUT WAS MAN KANN"

Als Dr. Paul Schuberth das erste Mal mit der attrakiven Kathrin im Bett liegt, gefällt ihm die Enddreißigerin zwar sehr, dennoch überlegt er, wie er ihr beibringen kann, dass sicher nicht er der Idealmann ist, den er ihr wünscht. Damit beginnt der geschiedene Personalchef eines Medienkonzerns seinen Bericht aus dem Männer-Alltag, der beweist, dass Frauen und Männer nur schwerlich zueinander passen, aber einfach nicht voneinander lassen können.

Man tut, was man kann" heißt die Devise des 42-jährigen Paul und so heißt auch diese ebenso intelligente wie höchst witzige Beziehungskomödie von Hans Rath. Das Fesselnde dabei ist die hinreißende Mischung der Charataktere, denn es geht um weit mehr als nur die Beziehungsprobleme Pauls. Der ist zwar ein gewiefter Manipulator im Beruf, im Privatleben aber erlebt er als Macho unerwartete Niederlagen. Wie mit Kathrin, in die er sich doch allmählich verliebt, um dann ganz schnöde wegen ihres Ex-Freundes abserviert zu werden. Wobei besonders schmerzt, dass das eine solche Nullnummer ist.

Doch auch Freund und Abteilungsleiterkollege Schamski erleidet Ungemach wegen zu viel Fremdgehen und kriecht in Pauls geräumigem Haus unter. Da taucht dann auch schon mal eine nackte Sekretärin in der Küche auf, bis die Schamski ebenfalls den Laufpass gibt. Hinzu kommt das total verklemmte Computer-Genie Günter: der Zauselbart hat seiner Angebeteten einen haarsträubenden Heiratsantrag gemacht, aber dummerweise schon vorher seine Wohnung gekündigt. Bleibt noch Bronko, unfähiger Maler und Kathrins Bruder, der wegen einer besonderen Nebenaufgabe zum Mitglied dieser speziellen Männer-WG wird.

Aber nicht nur im Privatleben geht es verquer zu, denn Paul muss sich seines jungschnöseligen Assistenten Engelkes erwehren. Dazu muss er alle Register als psychologisch geschulter Schurke von Berufs wegen ziehen, hat sich doch dieses Würstchen ausgerechnet die Tochter seines Chefs geangelt. Da könnte glatt die eigene Position gefährdet werden. Zugleich kommt Paul auf den Hund, den er ehrenamtlich fürs Tierheim ausführt als Ersatz für fehlenden Ausgleichssport. Und während ihm Ex-Gespielin Kathrin seltsam motivierte Bettparterinnen zuführt, verliebt sich Paul hoffnungslos in die schöne Tierärztin von Pflegehund Fred.

Daheim geht es drunter und drüber zu mit all den heftigen Männerbefindlichkeiten und ganz nebenher gibt es komplizierte Entwicklungen bei Stieftochter Sophie zu regeln, weil der jetzige Stiefvater sich als Stiesel aufführt. Probleme satt und ihre Auflösungen sind schlichtweg herrlich gestrickt und absolut filmreif. Hans Rath ist ein ausgemachter Schelm und er lässt seine Weisheiten als Philosoph und Psychologe in einem wahren Feuerwerk an Beziehungsarithmetik und Hahnenkämpfen aufleuchten. Die Figuren sind hinreißend erfunden und es darf oft genug herzhaft gelacht werden.

Fazit: ein großes Lesevergnügen, direkt, geistreich und auch für weibliche Leser eine Fundgrube an Erkennntnissen über das Sosein der Männer an sich und überhaupt.

 

# Hans Rath: Man tut, was man kann; 256 Seiten, Klappenbroschur; Wunderlich Verlag, Reinbek; € 14,90

WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)

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