KARL KROLOW: "IM DIESSEITS VERSCHWINDEN"

Als habe er um sein Leben geschrieben, so mutet das umfangreiche Werk Karl Krolows (1915-1999) an und gerade in seinen letzten Lebensmonaten drängten die Gedichte heraus. Um so reicher ist der Nachlass dieses großen Lyrikers geworden, den Peter Härtling und Rainer Weiss nun herausgebracht haben.

"Im Diesseits verschwinden – Gedichte aus dem Nachlass" haben sie die Sammlung genannt und dieses Verschwinden ist in den 207 Gedichten allgegenwärtig, teils sogar direkt in den Titeln. Da spürt man die ebenso melancholische wie lakonische Nähe zum Ende und zugleich eine weise Lebensironie. Man ahnt das Vergehen – eben jenes Verschwinden im Diesseits – dennoch ist es licht und beinah alterslos.

"Man sah auf seine Hände:-/sie waren leer am Ende" heißt es da einmal, doch der Überfluss, dem Krolow hier Adieu sagt, ist der der Wörter. Immer mehr reduziert er seine Aussagen auf das Wesentliche und benutzt die Adjektive noch sparsamer als gewohnt. Gleichwohl bleibt die geradezu spielerische Leichtigkeit des Reimens und ein fast spöttischer Abstand zu sich selbst. Und inmitten dieser bis eine Woche vor seinem Tod im Juni 1999 hervorquellenden Gedichte schuf der leise und doch so eindringliche Künstler mit dem Gedicht "Eine Büste (Büste K.K.)" ein Selbstbildnis, das ihn mit letzter Gültigkeit beschreibt: "ein Mann der Empfindlichkeit."

Scheinen manche dieser letzten Zeilen auch leicht, ja transparent, dieser Lyrikband ist ein intensives Buch, das den Leser fesselt. Und man stimmt Peter Härtling zu, wenn er in seinem Nachwort sagt: "Nicht der Tod ist es, den der Dichter fürchtet, sondern das Schweigen."

 

# Karl Krolow: Im Diesseits verschwinden – Gedichte aus dem Nachlass; 240 Seiten; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main; € 19 WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)

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Kennziffer: Ly 108 - © Wolfgang A. Niemann - www.Buchrezensionen-Online.de