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HORST EVERS: „HOPE JOANNA“
Er hat es wieder getan und einen außergewöhnlichen Thriller geschrieben: der vielfach preisgekrönte Kabarettist Horst Evers. Als er 2012 „Der König von Berlin“ veröffentlichte, erwies sich sein erster Gehversuch im Krimi-Genre als hinreißender Geniestreich und auch dessen Verfilmung war eine hochklassige Kriminalkomödie.Nun also „Hope Joanna“, tatsächlich benannt nach Eddy Grants Hit „Gimme Hope Jo'anna“ von 1988. Wobei es hier allerdings nicht um das dabei besungene südafrikanische Johannesburg geht, sondern um eine Kriminalhauptkommissarin, die nicht nur am Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 in Berlin geboren sondern von ihren etwas speziellen Eltern auch noch nach dem Song benannt wurde.Den Beruf der Polizistin hatte sie vor allem ergriffen, um als Taekwondo-Kämpferin für Olympia trainieren zu können. Bis zur Vize-Europameisterin hat sie es immerhin gebracht und sich gerade eben einen neuen Heldennamen erworben: „Batgirl“. In der Nacht hatte sie nämlcih im Einsatz allein vier Räuber überwältigt und die Szene war viral gegangen.Nun aber ist sie unterwegs zu einem seltsamen Mordfall, bei dem ein Altertumsforscher mit dem sinnigen Spitznamen Indiana-Jens offenbar in seiner mit skurrilen Artefakten vollgestellten Villa durch Schlangengift getötet wurde. Schon der Auftakt gibt einen ersten Eindruck, wie viel absurde Kauzigkeit diesen Krimi zum Funkeln bringen wird, wenn vor Ort Joannas neuer Kollege „Zecke“ auf die Leiche plumpst. Wogegen sich beim Toten selbst wirre Abgründe auftun, denn der belieferte eine obskure Klientel von rechtsextremen Verschwörungstheoretikern und Reichsbürgern für viel Geld mit Nazi-Devotionalien. Diesmal sollte ihm ein Bote des furchtbar geheimen „Ordo Mercatores Umbrae“ den absoluten Hit liefern: das Führerelixier.Ganze drei Fläschchen der von Hitlers Chemikern entwickelter Wunderdroge, die den Konsumenten zum unüberwindlichen Kämpfer mit geradezu gottgleichem Selbstbewusstsein macht, sollen 1945 versteckt worden sein. Und diese eine, in den 80er Jahren von einem KGB-Mann namens Putin aus einem Geheimlager geborgene Fläschchen, stand nun für einen irren Preis zum Verkauf. Endabnehmer hätte dann Baron von Waltersleben sein sollen, doch Schattenhändlerin Seraphina hat ja nicht nur den Zwischenhändler getötet sondern auch die Lieferung zurückgehalten. Während Joanna noch mit Zecke und der ihr zugewiesenen, hoch aufgedrehten Kommissaranwärterin Siri Yüzel ihre ebenso hirnrissigen wie fast zielführenden Ermittlungen durchführt, kommt es jedoch zum nächsten letalen Zwischenfall.Der großkotzige und extrem rechtsgewirkte Roderich von der Kratten tritt als Käufer im Auftrag von Brauerei-Chef von Waltersleben auf. Die Schattenhändlerin erscheint, der alte Zausel überreagiert und überlebt das nicht. Und das fördert weitere allenthalben verdrehte Komplikationen ganz nach der hinterhältigen Art von Horst Evers, die zu solch aberwitzigen Szenen voller Situationskomik führen, dass es einem immer wieder in lautes Lachen schießt. Da gebärdet sich nicht nur Ordensschwester Seraphina mit ihrem lebensgefährlichen Caduceus (Schlangenstab) als wahre Ninja-Kämpferin auf, auch Joannas Chef wetteifert mit Innensenatorin Paninger um Führungskapriolen und in all das fließen köstlich satirische Seitenhiebe auf zwerchfellerschütternde Charakteristika Berliner Politik und des Berliner So-Seins ein.Schließlich geht es sogar in aberwitzigen Kostümierungen und dem Maserati von Unions-Stürmerstar Halvarsson – etwas unterbelichtet aber mit kauzigen Attitüden – zur Brauerei-Festung des Barons. Hier toben sich nun rechtsextreme Knallchargen aus, die Wahlkampf mit Serum-Bier machen wollen. Und das ist das Geniale an diesem Krimi der sehr anderen Art mit seiner hinterhältigen Logik und den hinreißenden Dialogen: er ist nicht nur intelligent und saukomisch – er ist auch noch richtig spannend mit einem kräftigen Schuss Gesellschaftskritik.Wer also eine solche verwegene Mixtur zu schätzen weiß, erlebt mit „Hope Joanna“ Sternstunden der Kriminalkomödie. Da muss man wohl kaum noch betonen, dass dieser Roman im Übrigen unbedingt verfilmt gehört.

# Horst Evers: Hope Joanna; 320 Seiten; Rowohlt Verlag, Berlin; € 24

WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)