- Geschrieben von: Wolfgang A. Niemann
- Kategorie: Belletristik (Roman/Krimi)
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JEANETTE LIMBECK: „DIE FARBEN DER REVOLUTION“
Jeanette Limbeck war schon von klein auf fasziniert von der Französischen Revolution. Dann hatte die Schriftstellerin 2017 ein zündendes Erlebnis, das zu ihrem zweiten Roman führte.
„Die Farben der Revolution. Eleonore & Robespierre“ lautet der Titel und die kleine Rahmenhandlung geht genau darauf ein. Als Paris-Reisende besucht sie das Musée Carnavalet und entdeckt dort die Porträts von Maximilien de Robespierre (1758-1794) und Eleonore Duplay (1768-1832) einträchtig nebeneinander hängend.
Die eigentliche Überraschung aber: die Gemälde sind nicht nur beide von Eleonore gemalt, diese wird wie selbstverständlich im Museum auch als „la Fiancée“ bezeichnet. Der in allen Geschichtsbüchern als strenger Asket charakterisierte Robespierre soll eine Verlobte gehabt haben?!
Tatsächlich spricht einiges dafür, dass die Beiden zumindest mehr als nur eine freundschaftliche Beziehung zueinander hatte. Und daraus hat Jeanette Limbeck einen Roman entwickelt, in dem Eleonore Duplay selbst zur Ich-Erzählerin wird.
Sie ist 23 Jahre alt und mit Erlaubnis der Eltern darf sie sich zur Malerin ausbilden lassen, als sie und ihre Schwester Babette am 17. Juli 1791 nur mit Mühe dem berühmt-berüchtigten „Massaker auf dem Champ de Mars“ entkommen, bei dem die Nationalgarde in eine demonstrierende Menge schießt.
Auch die politisch interessierte Eleonore hatte dort eine Petition für das allgemeine Wahlrecht unterzeichnet. Revolutionär Robespierre muss ebenfalls vor den Schüssen fliehen und beide treffen dann im Jakobinerclub aufeinander, dem im Übrigen auch Eleonores Vater angehört. Fakt ist, dass Robespierre von nun an ein Zimmer in dessen Haus gemietet hatte.
Eleonore ist fasziniert von dem charismatischen Mann und es kommt nicht nur zu manche hitzigen politischen Debatten zwischen den beiden, auch sonst kamen sie sich sehr nahe. Wobei er allerdings vor einer Heirat zurückschreckt, weil die Zeiten so brodelnd gefährlich und ungewiss sind.
Alles ist in Bewegung in dieser Epoche einer radikalen Zeitenwende und – wahr oder erfunden – Eleonore nimmt Robespierre ein Versprechen ab: er soll dafür sorgen, dass das Land eine Regierung bekommt, in der alle Menschen gleich sind und in der niemand auf die eigenen Bürger schießen darf.
Doch die idealistische Eleonore, die dabei auch an Frauenrechte denkt, die den Revolutionären völlig fremd sind, verbindet ihre Forderung nach Robespierres Versprechen mit einer Konsequenz, die sich in fataler Konsequenz bahn brechen wird – wer gegen das Ideal einer gerechten Regierung verstößt, soll bestraft werden.
Und eine solche Pahse der Revolution zeiht herauf, denn in all den Auseinandersetzungen mit Worten im Parlament wie auch kriegerisch in der Provinz und an den Grenzen entsteht eine extrem hitzige und hemmungslose Stimmung. In diesem Chaos der heftig gegeneinander agierenden politischen Richtungen reicht ein falsches Wort am falschen Ort, eine pure Verdächtigung zu Verhaftung und Verurteilung.
Die passend zu dieser Zeit extremen Zuspitzung erfundene Guillotine erhält immer mehr zu tun und niemand ist seines Lebens mehr sicher. Robespierre aber, als er schließlich die Führung an sich reißt, wird nicht nur zum Tyrannen der Revolution – er wird vom unbestechlichen Helden zum gefürchteten „Blutrichter“, als der er in die Geschichtsschreibung einging.
Diese Entwicklung schildert Ich-Erzählerin Eleonore nun aus direkter Gegenwart zu Robespierre, denn dieser Roman spielt nicht vor historischem Hintergrund - die
Revolution ist hier der blutige Schauplatz des Geschehens. Sie erlebt die wandlung Robespierres zum furchtbaren Humanisten mit erbarmungslosem Dogmatismus.
„Ohne mit der Wimper zu zucken, lasse ich alte Freunde verhaften und auf die Guillotine bringen im Namen eines Ideals.“ Da mag es Eleonore grausen, wenn er selbst enge Weggefährten wie Danton und Demoulins unter Fallbeil schickt, weil sie gegen sein Regiment aufgemuckt haben – auf seiner Seite bleibt sie dennoch.
Es bleibt dramatisch und packend und obwohl die historische Entwicklung genau bekannt ist, bleibt der Roman bis zuletzt fesselnd. Was auch mit dem höchst authentischen Zeit- und Lokalkolorit zu tun hat, für das die Autorin einige Jahre intensiv recherchierte.
Da bleibt es müßig, ob die letzten Sätze der außergewöhnlichen Eleonore tatsächlich so gefallen sind: „Ich war mit der Revolution verheiratet. Ich war die Malerin der Revolution.“ Und deren echtes Selbstporträt ziert das Cover dieses Buches mit seiner gelungenen filmreifen Mischung aus historischer Realität und der möglichen politischen und privaten Beziehung zweier echter Protagonisten.
# Jeanatte Limbeck: Die Farben der Revolution. Eleonore & Robespierre; 463 Seiten; Knaur Verlag, München; € 25
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)
