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FREDERIK CRYNS: „IM DIENSTE DES SHOGUN“
James Clavells Roman „Shogun“ war 1975 ein Weltbestseller und die Verfilmungen von 1980 und 2024 begeisterten ebenfalls weltweit Millionen. Doch es gab ja ein konkretes Vorbild für den Romanhelden John Blackthorne namens William Adams (1564-1620).
Zu dessen Leben gibt es bereits mehrere Biografien, jedoch keine derart umfassende wie jetzt von Frederik Cfyns unter dem Titel „Im Dienste des Shogun. Die wahre Geschichte des englischen Samurai“. Cryns ist Professor für Japanische Geschichte am International Research Center for Japanese Studies in Kyoto.
Sein entscheidender Vorteil gegenüber bisherigen Schriften zum Thema ist der deutlich erweitere Zugriff auf tils bisher unbekannte Quellen. So flossen Details aus niederländischen, japanischen, englischen, spanischen und portugiesischen Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit ein.
Während Clavells Roman im wesentlichen nur eine kurze Lebenspanne seines Helden in den Mittelpunkt stellte, widmet sich diese Biografie dem gesamten Leben jenes in England geborenen Seefahrers, der zum Samurai aufstieg und selbst zahlreiche Briefe und Tagebücher hinterließ.
Die Vita von William Adams war nicht ganz so spektakulär wie die des Romanhelden, in ihrer Gesamtheit aber nicht weit davon entfernt. Immerhin fiel seine Jugend in die Ära, als Queen Elisabeth I. auf dem Thron saß und ihr Reich nicht nur noch schwach war, sondern auch von den katholischen Großmächten Spanien und Frankreich bedroht wurde.
Adams erlernte das Schiffsbauhandwerk und wurde Seemann. Im Jahr der Spanischen Armada 1588 hatte er sich der Royal Navy angeschlossen und half als Navigator eines Versorgungsschiffes mit bei der Niederschlagung des Großangriffs. Als mittlerweile erfahrener Seefahrer führ er 1598 dann als Navigator-Major auf der „Liefde“, einem großen Zwiemaster, als Teil einer niederländischen Flotte von fünf Schiffen der niederländischen Indischen Kompanie. In den Pazifik.
Nur sein Schiff überstand die schwierige Mission und strandete im Jahr 1600 mit 18 Überlebenden auf der japanischen Insel Kyushu, Adams erfreute sich schon bald der Freundschaft des mächtigsten Kriegsherrn Tokugawa Ieyasu (1543-1616), der bald Shogun werden sollte. Adams leitete den Bau der ersten Schiffe westlicher Bauart für die Japaner und war an ersten Handelsbeziehungen zu den Niederlanden und England beteiligt.
Zu wirklich historischer Bedeutung aber stieg er als politischer Berater seines Gönners auf, der ihn dafür sogar als ersten Ausländer in den Rang eines Samurai erhob. Adams war es, der Ieyasu über den wahren Charakter der Stützpunkte der Jesuiten aus Spanien und Portugal aufklärte, denen es eben nicht nur auf Handel und christliche Missionierung ging.
Sie hatten die Japaner nicht nur über die politischen Verhältnisse in Europa belogen, sondern auch +ber ihre tatsächlichen Absichten. Es war nun der protestantische Engländer in niederländischen Diensten, der den shogun über die dortigen religiösen und machtpolitischen Konflikte unterrichtete.
Vor allem aber empörte die Japaner, als sie vom Vertrag von Tordesillas erfuhren, mit dem Papst Alexander VI. 1494 die Welt zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt hatte – Portugals Hälfte schloss auch Japan ein! In der Folge erließ Tokugawa eine Abschottung, die zur Schließung des Reichs der Aufgehenden Sonne gegen alle ausländischen Mächte führte, die bekanntlich über 250 Jahre anhalten sollte.
William Adams, der mit einem Lehen und dem Status eines direkten Vasallen des Shogun belohnt wurde, das Land jedoch nicht mehr verlassen durfte, war somit der einflussreichste Nicht-Japaner in dessen Geschichte.
Das alles und noch viel mehr wird bis zum Tod des englischen Samurais wissenschaftlich präzise ausgeführt und ist auch für den interessierten Laien eine spannende Lektüre.


# Frederik Cryns: Im Dienste des Shogun. Die wahre Geschichte des englischen Samurai (aus dem Englischen von Kathrin Lichtenberg); 256 Seiten, div. Abb.; Midas Verlag, Zürich; € 24 WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)