ROSA PARKS: „MEINE GESCHICHTE“
War Rosa Parks einfach nur eine ältere müde Frau, die sich weigerte, ihren Platz im Bus für einen weißen Mann freizumachen? Was dann bekanntlich zu massiven Protesten bin hin zu einem monatelangen Busboykott führte? Diese beschwichtigende Mär wurde lange Zeit als Narrativ verbreitet. Die tatsächlichen Hergänge aber stellte die Betroffene mit ihrer Autobiografie später Schwarz auf Weiß klar: „Ich war nicht körperlich müde, ich hatte es einfach nur satt, nachzugeben.“„Rosa Parks – Meine Geschichte“ erschien 1999, auf Deutsch aber liegt sie erst jetzt erstmals vor. In ihr stellt die 1913 im damals sehr rassistisch geprägten US-Bundesstaat Alabama geborene Schwarze zudem klar, dass sie an diesem 1. Dezember 1955 eine gesunde Frau von eben 42 Jahren war. Es sei „ein bewusster und aktiver Akt des Widerstands“ gewesen. Seit Jahren benutzte sie diesen Bus, in dem vorne zehn Plätze für Weiße und hinten zehn Plätze für Schwarze reserviert waren. Die mittleren Plätze dagegen waren nicht festgelegt, waren bei Bedarf auf Aufforderung des Fahrers aber für Weiße zu räumen.An diesem 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama, erfolgte eine solche Aufforderung zugunsten eines einzelnen weißen Mannes. Drei schwarze Fahrgäste folgten der Anweisung sofort, Rosa Parks nicht, Obwohl nun drei Plätze freigeworden waren, bestand der Busfahrer darauf, dass auch sie ihren Platz zu räumen habe, sonst werde er die Polizei rufen. Da Parks stur blieb, wurde sie tatsächlich verhaftet, Dass derartige Renitenz gefährlich werden konnte bis hin zu fatalen Folgen für Leib und Leben, war ihr sehr wohl bewusst, zumal Unterdrückung, Demütigunen, Ausbeutung und Gewalt in den 50ern überall im Süden der USA noch der Normalzustand für die Schwarzen waren.Rosa Parks schildert das Geschehen ganz lapidar und man darf ihr glauben, dass sie keine Ahnung hatte, was sie damit anstoßen würde: „Ich wusste nur, dass ich genug hatte, herumgeschubst zu werden. Ich war ein normaler Mensch – genau wie jeder andere auch.“ Davon erfährt man einiges in den Erinnerungen an ihre Vita zu diesem Ereignis als rechtschaffene verheiratete Tochter in dauerhaftem Arbeitsverhältnis. Nun aber dieses Aufbegehren, nachdem sie zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt worden war: sie wurde zur Klägerin im Prozess gegen die Rassentrennung in den Bussen.Am 5. Dezember 1955 erfolgte ein Aufruf zum Boykott der Busse, die weit überwiegend ovn Schwarzen genutzt wurden. Der sich dann auf Monate hinziehen sollte. Die Montgomery Improvement Association wurde aktiv, es gab die ersten Auftritte von Martin Luther King. Und die schwarzen Bürgerrechtler hatten Erfolg: am 13. November 1956 urteilte der Supreme Court, dass die Rassentrennung in den Bussen gegen die Verfassung verstoße! Rosa Parks Kampf um ihre Rechte und dieser Erfolg wurden zum Vorbild: „Die Bürgerrechtsbewegen der Direkten Aktion hatte begonnen!“Sie selbst allerdings zog aus begründete Furcht vor Racheakten weit weg nach Detroit im Norden. Eine Aktivistin aber bleib sie ein leben lang und sie traf nicht nur andere Bürgerrechtshelden wie Nelson Mandela, Bill Clinton zeichnete sie mit der Presidential Medal of Freedom aus. Und als wohl denkwürdigste Ehrung erhielt sie im Jahr 2000 die „Medal of Honour“ in – Alabama! Rosa Parks: eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung, deren wahre Geschichte man unbedingt kennen sollte.
# Rosa Parks: Meine Geschichte (aus dem Amerikansichen von Sonja Bonin); 188 Seiten, div. SW-Abb.; Unionsverlag, Zürich; € 24
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)