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VITIELLO/CASCIONE: „OSCAR WILDE“
Noch heute ist Oscar Wilde (1854-1900) eine Ikone schlechthin. Dichter, Dramatiker und Dandy und eine Provokation für die britische Gesellschaft der prüden Viktorianischen Ära. Über den Künstler und Lebemann, den seine zu offen ausgelebte Homosexualität schließlich ins Verderben stürzte, gibt es zahlreichen Publikationen. Seine Vita ist somit sehr gut ausgeleuchtet, lohnt also eine weitere Biografie?
Ja, wenn es denn eine solch außergewöhnliche ist wie die von Tommaso Vitiello und Licia Cascione. Und es ist der Untertitel von „Oscar Wilde2, der auf das Besondere hinweist: „Die Comic-Biografie“. Vitiello ist ein preisgekrönter Autor von Drehbüchern und Theaterstücken und eben von derartigen Comic-Texten.
Seine italienische Landsfrau Cascione wiederum ist bereits berühmt für ihre meisterhaften Comics und Illustrationen. Auch für den Briten mit der narzisstischen Attitüde und den ebenso brillanten wie beißenden Bonmots hat sie einen so eleganten Ansatz gefunden, dass selbst der gnadenlose Ästhet vermutlich seine Freude daran hätte.
Anders als das Cover anzudeuten scheint, neigt die Illustrierung dabei im Übrigen nicht zu einem ausgewiesenen Manga-Stil. Um so besser kommen Wildes Ideale und Rollenbilder aber auch die Unterdrückung sexueller Minderheiten zum Ausdruck. Vitiellos aufs Wesentliche reduziertene Texte lassen einerseits Wildes Provokationen und seine Sensibilität erkenne, andererseits aber auch die Schwächen des scharfzüngigen Bonvivants.
Der sich bekanntlich nicht nur durch fremde Einflüsse - „In einem Aristokratenhirn steckt stets mehr Geld als Verstand“ - sondern ebenso durch sein zu hemmungsloses Ausleben seiner exaltierten Leidenschaften ins Gefängnis brachte, was seine Gesundheit ruinieren sollte.
Diese Comic-Biografie erzählt die wesentlichen Züge dieser Vita, die Oscar Wilde bis heute unter anderem auch zur Ikone der LGBTQ-Community gemacht hat. Das jedoch, ohne ihn auf diese Rolle zu reduzieren.


# Tommaso Vitiello/ Licia Cascione: Oscar Wilde. Die Comic-Biografie (aus dem Italienischen von Monja Reichert); 128 Seiten, farbig ill.; Knesebeck Verlag, München; € 25

WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)