- Geschrieben von: Wolfgang A. Niemann
- Kategorie: Sonstiges
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ALEX SOLMAN/GEREON KLUG: „STAYING ALIVE“
Vor zehn Jahren begann der Hamburger Zeichner Alex Solman damit, Berühmtheiten aus Kunst, Musik und Wissenschaft gleich nach ihrem oft plötzlichen Ableben zeichnerisch zu verewigen. Nun ist in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Gereon Klug aus den angesammelten Werken ein erstes Kompendium geworden.
Unter dem Titel „Staying alive. Unsterbliche Idole unserer Zeit“ bietet es rund 200 Illustrationen der Hingeschiedenen mal mit geraden Linien und trockenem Humor, mal aber auch mit psychedelischem Gestus und ernsthafter Trauer. Zu 80 von ihnen hat Klug kompakte pointierte Texte hinzugefügt.
In der Einleitung machen die Autoren deutlich, dass es gilt, dieser unentrinnbaren Wahrheit was entgegenzusetzen: „Niemand wird einmal tot gewesen sein.“ Soll heißen: Wer weg ist, ist endgültig weg. Aber diese hier eben nicht aus dem kulturellen Gedächtnis, denn „inspirierend tot sein, das können nur die wenigsten“.
Wie die in diesem außergewöhnlichen Buch mit einem Bogen von Nichelle Nichols, einst Leutnant Uhura im „Raumschiff Enterprise“ bis zum dauerselbstverliebten Mister Playboy Hugh Hefner. Die frühesten Ikonen-Zeichnungen galten bei Solmans Start den 2016 verstorbenen Pop-Gurus George Michael und Prince, während Exzessiv-Rocker Ozzy Osbourne (1948-2025) zu den frischesten Promis gehört.
Und immer wieder muss man schmunzeln über die textlichen Würdigungen des Wortakrobaten Klug, wenn er zum Beispiel Karl Dalls Erscheinung treffend charakterisiert: „Sein Auge hing so wie er zwischen allen Stühlen.“ Oder wenn er dem göttlichen Karl Lagerfeld bescheinigt, dass er bei aller Hingabe an die Überwindung der Banalität der gewöhnlichen Welt sogar noch Zeit fand, ein Parfüm für Hunde zu kreieren.
Man muss nicht jeden dieser Promis kennen, aber die Galerie ist breit gefächert und beim ein oder anderen Namen hilft erst die textliche Hilfe auf die Sprünge. Wie bei Dr. Erika Fuchs. Von hat garantiert fast jeder Deutsche in jungen Jahren etwas gelesen und vielleicht sogar nachgesprochen: sie war vom ersten Erscheinen an auf Jahrzehnte die ungeheuer kreative Übersetzerin der Micky-Maus-Hefte von Donald Duck bis Daniel Düsentrieb.
Natürlich hat Solman auch etliche berühmte Kollegen seiner Zunft gewürdigt, darunter legendäre Genies wie Uli Stein, Mordillo, Uderzo & Goscinny sowie Tomi Ungerer. So viele berühmte Menschen, aber – auch ein Vierbeiner ist dabei, den jeder zumindest vom Sehen kennt: Grumpy Cat, der grimmigste Kater weltweit. Der im Übrigen mit seinen nur sieben Lebensjahren auch die kürzeste Lebensspanne aller Promis hatte.
Fazit: ein Buch, das man nicht haben muss, das aber mit viel Pfiff und künstlerischer Verve eine Menge intelligenten Spaß bietet.
# Alex Solman/Gereon Klug: Staying alive. Unsterbliche Idole unserer Zeit; 304 Seiten, div. Abb.; DuMont Verlag, Köln; € 20
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)
