
FLIX/KLEIST: „LUCKY LUKE – DIE GRIMM BROTHERS“
Wer kennt ihn nicht,den dürren Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten?! Vor 80 Jahren erfand ihn der belgische Comic-Künstler Maurice de Bevere/Morris. Wenn das kein Anlass für eine Hommage ist. Nach über hundert Originalbänden gibt es auch etliche sogenannte Hommage-Bände von anderen Autoren. Einen wie den zum runden Geburtstag aber noch nicht. Da haben sich nämlich zwei der berühmtesten und bereits vielfach ausgezeichneten deutschen Comic-Zeichner zusammengefunden: Flix und Reinhard Kleist. Als wäre das nicht schon speziell genug, führen die Beiden auch noch eigentlich Unmögliches zusammen: Lucky Luke's Wilden Westen und die größten aller deutschen Märchenerzähler, die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Aber wieso eigentlich nicht, schließlich lebten die Göttinger Germanisten ja noch, als Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika die Pionierzeit heraufzog. Und so entstand „Lucky Luke – Die Grimm Brothers“. Die Brüder wollen nun also auch den Wilden Westen mit ihren viel gerühmten Märchen beglücken. Doch als „die Sensation aus Europa“ in die Säle und Saloons zieht, nehmen die Amerikaner bei „Hänsel und Gretel“ und „Schneewittchen“ reißaus. Lucky Luke aber, der sich der Beiden hilfreich annimmt, weiß Rat: sie müssen ihr Repertoire um amerikanische Märchen erweitern. Dazu führt er sie zu Ma Dalton, die sich für ihre Geschichten Haftverkürzung zusichern lässt. Dafür erzählt die alte Kruke den Märchensammlern nun Märchen über ihre vier Söhne, die dann tatsächlich das Publikum begeistern. Aber nicht jeden in der Prärie. Zu dumm nämlich, dass da Fahndungsplakate hängen, mit denen die Dalton-Brüder mit Kopfgeld als Banditen gesucht werden! Und noch dümmer, dass die vier Gesetzlosen mit dem um sich greifenden Imagewandel zum Gespött des Wilden Westen zu werden drohen und damit ganz und gar nicht einverstanden sind. Da geht es bald rund und Lucky Luke hat allerhand zu tun, um die Gebrüder vorm Schlimmsten zu bewahren. Womit ein herrlich schräges Abenteuer einem wilden Showdown entgegenrast – herzerfrischend intelligent bekloppt und zumindest für jeden Lucky-Luke-Fan ein absolutes Muss.
# Flix/Reinhard Kleist: Lucky Luke – Die Grimm Brothers; 49 Seiten, farbig ill., Großformat; Egmont Ehapa, Berlin; € 17,00 (alternativ broschiert für € 9,99) WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)