- Geschrieben von: Wolfgang A. Niemann
- Kategorie: Sonstiges
- Zugriffe: 147

MICHAEL SOWA: „FRAGILE IDYLLEN“
Michael Sowa ist sowas von berühmt, auch wenn nicht jedem gleich bewusst ist, dass die allgegenwärtigen Illustrationen von ihm sind. Inzwischen 80 Jahre alt geworden, widmete ihm das Caricatura Frankfurt Museum eine ganze Retrospektive.
„Fragile Idyllen“ lautete deren Titel und der prangt nun auch über dem opulenten Begleitbuch. Darin führt Andreas Platthaus in das ebenso vielfältige wie zeitlose Werk des Berliner Künstlers ein. Außer diesen Ausführungen aber beschränkt sich der Band hinsichtlich Text allerdings wohltuend auf Bildunterschriften.
Um so hinreißender entfaltet sich der ganze Kosmos Sowas von der Malerei, politischer Satire, den oft so prägnanten Illustrationen bis hin zu Beiträgen für Filme und Theater. All das machte ihn weltweit berühmt und so spitzfindig der ein oder andere Bildtitel auch sein mag – Sowa lässt die Bilder sprechen.
Beinah altmeisterlich erscheint seine Malweise mit gedeckten Farben und erdigen Tönen, doch was er mit oft einfachen Strukturen auszudrücken versteht, ist schlicht grandios. Hinterhältig naiv oder skurril, immer wieder überrascht die Doppeldeutigkeit oder es irritiert Kauziges, das erst beim zweiten Blick seinen Hintersinn eröffnet.
Geradezu feinsinnig prangt da als schräge Idylle das berühmte „Suppenschwein“ auf dem Cover und gerade die vielen Tiergestalten prägen Sowas Werk. Schweine nehmen dabei einen bevorzugten Platz ein, stark ist aber auch die Riege des Federviehs wie unter anderem herrlich doof „Herta und ihre Verwandten“, eine ganze Galerie grenzdebiler Vogelporträts.
Perfekt und dabei gänzlich lebendig erscheinen die Bilder bis hin zu manch obskuren Requisiten und liebevollen Details. Die im Übrigen selten „einfach so“ dabei sind. Und dann dieser hintergründige Humor, denkt man an die Spießer-Idylle mit dem saufenden Engel als „Anonymer Alkoholiker“.
Oder wie Sowa mit „Der Beweis“ den Sündenfall im Paradies viel interessanter darstellt als in der Bibel dargestellt. Satire gehört ohnehin zu einer besonders beliebten Spielwiese dieses Künstlers. So fertigte er ja auch zahlreiche Wahlplakate für die Grünen mit sehr eigener Note.
Aufgeführt mit zahlreichen markanten Beispielen ist im Übrigen seine umfangreiche Zusammenarbeit mit namhaften Schriftstellern bis hin zu Donna Leon und Roger Willemsen. Und nicht zu vergessen seine Bücher mit Axel Hacke, mit dem er mit „Der weiße Neger Wumbaba“ sogar einen echten Bestseller schuf.
Starke Charaktere und subtile Komik beherrschen den Reigen dieser ungeheuren Fülle von Illustrationen bis hin zu den sehr eigenwilligen Ausflügen in die Werbung wie z.B. „Für Achselhaare“. - Fazit: ein Füllhorn an intelligentem Schmunzelstoff, in dem man endlos und immer wieder blättern möchte.
# Michael Sowa: Fragile Idyllen; 328 Seiten, div. Abb., Großformat; Antje Kunstmann Verlag, München; € 80
WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)
