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MUSEUM BARBERINI: „Symphonie der Farben“
Noch bis zum 11. Oktober bezaubert das Museum Barberini in Potsdam mit einer Ausstellung von Gemälden, die mit besonders hoher Leuchtkraft fasziniert. „Symphonie der Farben“ lautet denn auch das Motto und der Begleitkatalog, den das Museum dazu herausgebracht hat, widmet sich mit der Flut der Gemälde „Paul Signac und der Neoimpressionismus“. Mit 30 seiner Werke steht Signac (1863-1935) als Leitfigur dieser Kunstrichtung im Mittelpunkt.Seine Bilder zeigen sein Schaffen von frühen Uferlandschaften über Stillleben und Porträtmalerei bis zu dem Reigen der Malerei an der Côte d'Azur, die er gewissermaßen für die Kunstwelt entdeckte. Signac entstammte zwar dem Großbürgertum, entwickelte gleichwohl schon in der Jugend eine solch renitente Geisteshaltung, dass sie ihn zum Anarchisten werden ließ. Er brach die Schule ab, wurde als Autodidakt Maler und dann war es Georges Seurat mit seinem sogenannten Divisionismus, der ihn zu dieser neuen Malweise anregte: der zerlegte die Farben, mischte sie nicht mehr auf der Palette, sondern tüpfelte sie auf die Leinwand.Der Effekt war überwältigend, denn die mit kraftvollen eindeutigen Punkten und Strichen aufgebrachten Farben erzeugten ein Flimmern und Flirren und funkelten geradezu in extrem starkem Kontrast. Mit der gewollten Nebenwirkung, dass diese Bilder für den Betrachter erst mit einem gewissen Abstand vollends erkennbar sind. Dies wie auch den Effekt des farbigen Lichts erkennt man im Begleitband noch intensiver als vor den Gemälden stehend. Als Camille Pissarro den jungen Signac dann zur letzten Pariser Impressionistenausstellung einlud, stieß diese neue Kunstrichtung mit ihrem Gegensatz zur spontanen Malerei einerseits auf harte Ablehnung seitens der Kritik, erhielt andererseits jedoch von Kritiker Félix Fénéon umgehend ein neues, prägendes Signum: „Neoimpressionismus“.Signac als dessen wichtigster – auch theoretischer – Vertreter steht in der Ausstellung in faszinierendem Bialog zu zahlreichen anderen Künstlers dieser Kunstrichtung, unter ihnen auch weibliche wie Anne Boch sowie Jeannette Selmersheim-Desgrange. Mit ihr lebte Signac an der Côte d'Azur in der eigenen Villa und fing nicht nur die pralle Schönheit dieser Region ein, sondern betätigte sich auch als Sammler und Mäzen.Der Begleitkatalog überzeugt dabei sowohl mit der Fülle von Abbildungen wie insbesondere auch mit großartigen Detailaufnahmen und seinen gewohnt exzellent Essays zu Kunst und Künstlern des Genres.
# Museum Barberini: Symphonie der Farben – Paul Signac und der Neoimpressionismus; 304 Seiten, div. Abb., Großformat; Prestel Verlag, München; € 45WOLFGANG A. NIEMANN (wan/JULIUS)